ab 11.03.: Sonderausstellung „Kostbarkeiten aus Sand und Asche“

Vom 11. März bis 2. Juli 2017 zeigt das Schloss Museum Wolfenbüttel die Ausstellung „Kostbarkeiten aus Sand und Asche – entstanden im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel“.

Am 29. Dezember 1743 beauftragte Herzog Carl I. zu Braunschweig und Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, seinen Kammerrat Thomas Ziesich, eine landesherrliche Glasmanufaktur – die Fürstlich Braunschweigisch-Lüneburgische Hohlund Tafelglashütte – an der Weser aufzubauen. Dieser Auftrag war Teil einer wirtschaftlichen Offensive größten Umfangs im Herzogtum. Der Herzog wurde zum Unternehmer und gründete zahlreiche Manufakturen wie die Fürstenberger Porzellanmanufaktur und die Glashütte in Schorbon. Mit diesen Aktivitäten wollte Herzog Carl gezielt den wirtschaftlich schwachen Weserdistrikt stärken, gleichzeitig die sonst nicht nutzbaren Holzvorräte des Sollings verwerten und das Herzogtum mit Gebrauchs- und Luxuswaren aus Glas und Porzellan versorgen. Zudem knüpfte er an eine bestehende Tradition an, denn schon im 16. und 17. Jahrhundert kamen auf Geheiß der Braunschweiger Herzöge Glasmacher in diese Gegend. Die Wurzeln der regionalen Glasmacherkunst reichen sogar bis in das frühe Mittelalter zurück.

Herzog Karl I., Öl auf Leinwand, Werkstatt Antoine Pesne zugeschrieben, um 1735, (c) Schloss Wolfenbüttel

Dünnwandige Gläser waren im Barock begehrte und kostbare Objekte und ein wichtiger Teil prunkvoller höfischer Tafelkultur. Wurden diese Kostbarkeiten aus Sand und Asche für den Hof bis ins 17. Jahrhundert noch vornehmlich in Venedig gefertigt, so lieferte  im 18. Jahrhundert die Schorborner Glashütte bedeutende Gläser an den Braunschweiger Hof. Keine andere Glashütte des oberen Weserraumes verfügte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und im beginnenden 19. Jahrhundert über eine vergleichbare Form- und Gestaltungsvielfalt wie  die Hütte am Schorbornsteich und ihre Filiationen in der Umgebung.

Pokale, Kelche, Bouteillen, Gebrauchsgläser, Gläser mit farbiger Emaille-Bemalung, Apparateund Medizingläser sowie Geschirr – die Glasmacher entfalteten eine breite Kreativität und hohe Produktivität. Zusammen mit den Tochterhütten Pilgrimsteich (1775), Mühlenberg (1783), Mecklenbruch (1799) und Holzen sowie der Spiegelglashütte in Grünenplan im Hils (1744) deckten die Glashütten des Braunschweiger Weserdistrikts den gesamten Glasbedarf im Fürstentum Braunschweig.

Das Schloss Museum Wolfenbüttel präsentiert in der Ausstellung „Kostbarkeiten aus Sand und Asche – entstanden im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel“ kostbare Gläser aus den Glashütten der Weserregion. Von unterschiedlich geschliffenen und geschnittenen Pokalen für den Hof, bis hin zu einfachen Gebrauchsgläsern und Flaschen, wird das Spektrum der Glasproduktion im 18. und 19. Jahrhundert im Herzogtum Braunschweig- Wolfenbüttel präsentiert. Seltene Ausstellungsstücke aus öffentlichen und privaten Sammlungen werden im Schloss Museum zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Arbeits- und Forschungsgruppe Schorbon entstanden.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.schlosswolfenbuettel.de

Das Schloss Wolfenbüttel ist Partner im Netzwerk der ZeitOrte.