Braunschweig: 3. Lichtparcours Braunschweig ab 19. Juni 2010

Vom Mittelalter an war der Fluss Oker rund um die wie auf einer Insel gelegene Stadt wichtiger Teil der Stadtbefestigung. Im 19. Jahrhundert wurden dort Villen errichtet und Parks angelegt. Ein Ring aus Grün und Wasser, eine Oase an Stille und Natur rund um die Innenstadt entstand und blieb bis heute erhalten – eine geradezu poetische Stadtlandschaft, wie sie wohl in kaum einer anderen Stadt anzutreffen ist. Die Fahrten auf der Oker sind lange keine Geheimtipps mehr, sie gehören einfach zum Besuch der Löwenstadt dazu und bieten ein unvergessliches Erlebnis.

Im Sommer 2010 werden Oker und Parks zur zauberhaften Kulisse für den Braunschweiger Lichtparcours: Neun international anerkannte, zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler haben in ihren Entwürfen einen landschaftlichen, urbanen oder gesellschaftlich-historischen Bezug zur Stadt aufgenommen und zum integralen Bestandteil ihrer Arbeit gemacht. Vom 19. Juni bis zum 30. September präsentiert der Lichtparcours 2010 die eigens für Braunschweig entwickelten, temporären Arbeiten, die Braunschweiger und Besucher der Löwenstadt entlang der Oker entdecken können.

Die Ruhe des in Dämmerung und Dunkelheit von Station zu Station dahingleitenden Floßes lässt die Besucher die städtische Umgebung völlig neu erfahren. Die Oker – an ihr sind die Kunstwerke wie Perlen aufgereiht – erweitert mit den Illuminationen bei Nacht ihre raumbildende Gegenwärtigkeit. Die eher unübliche Erfahrung des Parcours mit Kähnen und Flößen ist die konsequente Antwort auf die besondere Topografie dieser Stadt.

Wenngleich einige der Lichtparcours-Projekte auch tagsüber schon einen Besuch lohnen, so entfaltet sich die gesamte Poesie des Lichtparcours erst richtig bei einer Floßfahrt auf der Oker bei Dämmerung und in der Nacht. Alternativ werden Führungen zu Fuß und mit dem Rad angeboten.

Über den Lichtparcours

Im Jahr 2000 wurde mit dem Braunschweiger Lichtparcours eine Initiative zur künstlerischen Gestaltung des Stadtraums erfolgreich umgesetzt: 13 Künstlerinnen und Künstler schufen speziell für die Brücken des Okerumflutgrabens Installationen zum Thema Licht und Wasser. Über 500.000 Besucher waren von Juni bis Oktober 2000 in den Abend- und Nachtstunden unterwegs, um verschiedenste Lichtkunstprojekte zu erleben. Mit dem Lichtparcours war Braunschweig Schauplatz einer in der Bundesrepublik bislang in diesem Umfang einmaligen Ausstellung zeitgenössischer Lichtkunst im öffentlichen Raum.

Vier Jahre später wurde das Projekt mit dem „Braunschweig Parcours 2004″ weitergeführt. Erneut waren zwölf international anerkannte, zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler beteiligt und entwickelten ortsspezifische Installationen.

Aufgrund der großen Resonanz des Publikums auf die temporär angelegten Kunstprojekte hat sich die Stadt Braunschweig 2008 zum Ziel gesetzt, die Attraktivität des Okerraums durch dauerhaft angelegte Installationen nachhaltig weiter zu steigern und die Okerbrücken in dem langfristig angelegten Ausstellungsprojekt „Okerlicht“ zum Gegenstand zeitgenössischer künstlerischer Positionen werden zu lassen. Integraler Bestandteil der einzelnen Arbeiten ist der jeweils enge Ortsbezug zur Okerbrücke.

Der Lichtparcours 2010 wird ergänzt um das seit 2008 dauerhaft installierte Lichtkunstprojekt „Evokation in Rot“ der Künstlerin Yvonne Goulbier, sowie um den „Bogen der Erinnerung“ des italienischen Lichtkünstlers Fabrizio Plessi, der auch im Jahr 2008 reaktiviert und mit einer vom Künstler autorisierten dauerhaften Lichtinstallation versehen wurde.

Begleitet wird der Lichtparcours 2010 von einem umfangreichen → Veranstaltungsprogramm.

Die Künstler des Lichtparcours 2010

Thomas Bartels Installation „1000 Blumen“ besteht aus drei modifizierten Betonmischmaschinen, die scheinbar schwerelos auf dem Wasser stehen. Mit einbrechender Dunkelheit beginnen die Tonnen sich zu drehen. Bei dieser Installation an der Brücke am Fallersleber Tor wird das Prinzip des Kaleidoskops umgedreht: die Trommel lässt bunte Scherben durcheinanderpurzeln und erschafft so etwas Luftiges.
Rainer Gottemeier visualisiert mit dem „Braunschweiger Gipfel“ ein kartographisches Netzwerk im Wasserspiegel des Portikusteiches. Wege und Straßenkreuzungen, die Oker, Gebäude und Kirchen werden durch verschiedenste Leuchtmittel gekennzeichnet. Mit zunehmender Dunkelheit verwandelt sich die Konstellation in ein visuelles Konzept bewegter Raumpunkte.
Yvonne Goulbier hat mit der Installation „Evokation in Rot“ bereits 2008 die Brückendurchfahrt der Jasperalleebrücke durch 150 rote LED-Lichtquellen in eine magische Lichtzone verwandelt. Mit einer zart-gelben Betonung der Brücken-Balustrade entsteht ein Übergang zur beleuchteten Straßensituation. Der zweite Teil der Arbeit ist ein am Gesims der rückwärtigen Wand des Staatstheaters wandernder Lichtpunkt. Er symbolisiert das Hinüber und Herüber des Verkehrs über den Fluss, ist Willkommensgruß in die Stadt hinein und gleichermaßen als „Verfolger-Scheinwerfer“ des Staatstheaters zu begreifen.
Jeppe Hein lädt die Besucher mit „Appearing Rooms“ in einen programmierten Wasserpavillon ein. Die individuellen Wasserwände steigen und fallen, öffnen und schließen sich, bevor sie erneut Form und Erscheinungsbild verändern. Die Besucher können den Wasserpavillon betreten und finden sich in immer wieder neuen Innenräumen, aber auch plötzlich außerhalb des Wasserpavillons wieder, ohne dieses selbst kontrollieren zu können. Im Museumspark, lädt der Wasserpavillon zu einem erfrischenden Spektakel ein. 
Jan Köchermann
lässt bei seinem Projekt „Siedlungen“ riesige Lampions leuchten. Die Lichtskulpturen bestehen aus Metallgerüsten, die mit einer, mit Häuserfassaden bedruckten PVC-Folie bezogen sind. Die Fassaden der Lichtskulpturen sind von Sozialbauten und Wohnghettos inspiriert. Um dem Siedlungs-Charakter gerecht zu werden, besteht die Arbeit aus vier verschiedenen „Siedlungen“ an unterschiedlichen Orten der Stadt.
Fabrizio Plessi war mit seinem „Bogen der Erinnerung“ bereits beim Lichtparcours 2000 vertreten. Das Kunstwerk, das 2008 reaktiviert wurde, rekonstruiert mit einer Videoinstallation eine nicht mehr existente Brücke am Alten Bahnhof, die ab 1844 die Innenstadt mit dem Kopfbahnhof verband.
Susanne Rottenbacher zeigt mit „farbring 450d“, dass sich die farbliche Erscheinungsweise eines Gegenstandes mit dem Licht ändert, denn Helligkeit und Lichtfarbe beeinflussen die Wahrnehmung. Dieses Zusammenspiel von Licht und Farbe ist ein zentrales Thema der Malerei. Die Skulptur „farbring 450d“ veranschaulicht diese Frage auf neue Weise, indem beide Elemente, Malerei und Licht, Teil des Kunstwerkes sind.
Christiane Stegats „Spawn“ sind Kugelketten, die in Mengen zusammen- und übereinandergelegt ein Volumen, einen Haufen bilden. Die gewollte Assoziation der Kugelketten zu einem Gelege, zu Laich oder auch Schaum wird durch die unterschiedlichen „Sphäreneigenschaften“, die Größe und die Materialität gestört.
Arend Zwicker präsentiert seine Licht-Spiegelinstallation „8,33%“ auf einem Teich im Braunschweiger Bürgerpark. Eine kristalline Skulptur schwimmt dabei mitten auf dem Wasser und kann sich mithilfe des Windes um die eigene Achse drehen. Durch Sonneneinstrahlung oder Flutlicht-Beleuchtung werden sich unerwartete Reflexionen im Naturraum ergeben.

Nähere Informationen zu Reisepauschalen, Führungen und Floßfahrten entlang des Lichtparcours erhalten Sie bei der Touristinfo unter (05 31) 470 20 40 oder touristinfo@braunschweig.de.

http://www.braunschweig.de/lichtparcours2010/

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