Ein Vormittag bei der Salzgitter AG

Den Ort Salzgitter verbinden viele mit einem Industriestandort, jene die sich näher damit befassen verbinden Salzgitter auch mit Stahl. Und in der Tat, fährt man bereits aus der Ferne dem Industriegiganten, der Salzgitter AG entgegen. Mitten auf der grünen Wiese erbaut und wie eine eigene Stadt für sich werden qualitativ hochwertiger und weltweit anerkannter Stahl produziert. Sicherlich mag man hier einen schwarzen Fleck in der Geschichte des Konzerns finden, bedenkt man dessen ursprünglichen Zweck: Stahlproduktion im zweiten Weltkrieg zur Aufrüstung. Dennoch leistet der Betrieb heute entsprechendes zur Aufklärung. Nach der Hüttenwerksbesichtigung kann man an der Führung zur Gedenkstätte KZ Drütte teilnehmen, die sich eben direkt auf dem Werksgelände befindet. Als Mitarbeiter im ZeitOrte-Projekt hatte ich am 30.06. die Möglichkeit an beiden Touren teilzunehmen.

Um kurz vor 8 Uhr im Besucherzentrum angekommen, konnte man sich zunächst einen Eindruck dessen verschaffen, was man mit Stahl alles Produzieren kann. So wunderte es mich nicht, dass ich als zugegebenermaßen Anti-Techniker sehr überrascht war, das Stahl eben mehr sein kann als nur der Stahlträger eines Gebäudes. Technologie bedeutet auch Weiterentwicklung. So lautet der Auftrag für die Salzgitter AG: „der Stahl sollte möglichst stark und belastbar, aber gleichzeitig so leicht wie möglich sein“. Diesen findet man in vielfältiger Form beispielsweise im Bau eines Autos wieder. Für die Herausforderung befasst sich ein integriertes Labor mit dieser Aufgabenstellung und forscht und entwickelt den Stahl und dessen Produktionsverfahren immer weiter. Zum Glück hatte ich auf meiner Fahrt von Braunschweig zum Werk noch meine zweite Tasse Kaffee getrunken. Denn für die 30-Köpfige Gruppe sollte schnell klar werden, dass wir uns nicht auf einer gemütlichen Kaffeefahrt befinden.
Nach einem kurzen Einführungsfilm zur Salzgitter AG und ersten Einblicken in die Stahlherstellung ging es dann los.

 

Konverter Stahlwerk 300 dpi.

„Willkommen im Wohnzimmer der Hölle“, so lautete die Begrüßung des Gästeführers zur Hüttenwerksbesichtigung. Erste Station nach einer längeren Busfahrt über das Werksgelände war der Hochofen. Hier beginnt der Prozess bei dem die Gruppe gleich Zeuge des erwarteten Spektakels wurde. Wenige Minuten vor unserer Ankunft wurde der Ofen „angestochen“ und die glühende, circa 1500 Grad heiße Eisen-Lava suchte sich ihren Weg in die bereits bereitgestellten Zugwaggons, die eigens für diese heiße Masse angefertigt wurden. Hier wird Rund um die Uhr gearbeitet. Aus einem guten Grund. Sobald die Eisen-Lava nicht direkt weiterverarbeitet wird, ist sie nach nur kurzer Zeit nicht weiter verwertbar. Nach einer sehr ausführlichen chemischen Erläuterung, was zu welchem Zeitpunkt genau im Hochofen passiert und dem kleinem Begrüßungsfeuerwerk ging es mit dem Bus weiter zur zweiten Station, in die Halle in der die Eisen-Lava zur eigentlichen Stahlmasse weiterverarbeitet wird. Bereits hier stehen Kunde und gewünschte Stahlqualität fest. Mit Tonnen von „Schrottstahl“, die für jede gewünschte Stahlqualität neu berechnet und eingesetzt wird, der vorproduzierten Eisen-Lava und chemisch reinen Sauerstoff wird nun in einem weiteren Verfahren der eigentliche Stahl produziert. Nach einer Erläuterung der hiesigen Arbeitsverfahren, schwebte die glühend heiße Eisenmasse über unsere Köpfe hinweg zum nächsten Verarbeitungsprozess.
Noch einmal haben wir die Gelegenheit einem kleinen Feuerwerk beizuwohnen. Selbst aus gut 30 Metern Entfernung zum Spektakel konnte man die ungeheure Wucht und Hitzeentwicklung mehr als deutlich spüren. Lange Kleidung ist Pflicht! Ebenso ein Schutzhelm mit Schutzbrille! Bei dem Staub der durch die Gegend gewirbelt wird, auch mehr als wichtig und richtig. Nachdem die Anlage über die Tore geschlossen wurde und die Herstellung zum Stahl Fortgeschritten ist, sind wir mit der Gruppe wieder zurück zum Bus und zur letzten Etappe gefahren.

 

Warmband Fertigstraße. (c) Salzgitter AG

Warmband Fertigstraße. (c) Salzgitter AG

In der dritten und letzten Halle (hier wurden die Stahlbalken weiterverarbeitet) wartete noch mal ein gut ein Kilometer langer Fußmarsch auf uns. Obwohl wir erneut gut 20 Meter von der Produktion entfernt waren und die Stahlbalken abgekühlt, konnte man die Hitze nach wie vor Spüren. Über ein Rollband wurden die Balken in zwei Stufen von ihrer ursprünglichen Dicke mit circa 25 Zentimetern auf die gewünschte dicke gewalzt. Dabei wird das Band (bis) auf knapp 100 Stundenkilometern beschleunigt. Nur zu erahnen welche Kräfte dahinter stecken. Im Anschluss daran wird das Stahlband aufgerollt und zur weiteren Verarbeitung vorbereitet. Dies geschieht dann in der Regel nicht mehr hier. Die Salzgitter AG stellt nur Stahl bis zu einer Dicke von 2,5 Zentimetern her. Es geht deutlich dünner!

Nach dieser dreieinhalbstündigen Tour über das gesamte Werksgelände und einer menge gewonnener Einblicke und Eindrücke, ging es mit der gesamten Truppe im Bus zurück zum Besucherzentrum. „Qualität ist wenn der Kunde zurück kommt“, hieß es während der Tour zum Thema Stahlqualität. Dies kann man durchaus auch auf die Werksführung beziehen. Wie Eingangs erläutert, gehörte Ich sicherlich nicht zum Fachpublikum und war dennoch mehr als positiv von der Tour überrascht. Auch wenn die Werksführung durch „das Wohnzimmer der Hölle“ sicherlich nichts für die heißesten Sommertage ist und man gut zu Fuß sein muss: die Qualität dieser Werksführung lässt mich sicher einmal zurück kommen und animiert mich auch an anderen, in unserem Programm zu findenden Werksführungen teilzunehmen.

 

Im Anschluss, gegen 11.30 Uhr, nahm Ich die Gelegenheit wahr an der Führung zur Gedänkstätte KZ Drütte teilzunehmen. Geschichte gehörte schon in der Schule zu meinen Lieblingsfächer und ich bin der festen Überzeugung dass uns Geschichte zu dem macht, was wir sind. Und das kann man letztlich auf die ganze Gesellschaft übertragen. Umso besser, das Interessierten die Möglichkeit gegeben wird, mit solchen Gedenkstätten ein Stück weit Aufklärung zu betreiben und zu verstehen was einmal passiert ist. Hier ging es weniger um das, was vermutlich die meisten von uns unter einem „Konzentrationslager“ verstehen würden. Viel mehr um die Unmenschlichkeit und Gnadenlosigkeit der NS-Soldaten. Zu sehen gibt es tatsächlich nicht viel. Aber eine sehr ansprechende Dauerausstellung ist in diese Führung in den Räumlichkeiten des damaligen KZ-Lagers integriert. Mir persönlich lief ein Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, dass sich einst bis zu 600 Menschen in einem gefühlt 15 x 10 Metern großen Raum in 4er-Etagenbetten unter Menschenunwürdigsten Bedingungen aufhielten. Man kann nur erahnen was die unterschiedlichsten Personengruppen (Kriegsgefangene, Homosexuelle, Prostituierte, NS-Gegener etc.) mitmachen mussten. Es verstärkte jedoch meinen Eindruck das unsere Gesellschaft heute verpflichtet ist einen Beitrag  zur anhaltenden Flüchtlingskrise zu leisten. Natürlich mögen jetzt einige Denken: „Menschenwürdig sind die Turnhallen als Massenunterkünfte auch nicht“. Aber die Art und Weise ist doch eine ganz andere. Weg vom Größenwahnsinn, hin zur Hilfsbereitschaft. Und Ich bin der festen Überzeugung, das es mehreren Besuchern der Gedenkstätte so ergangen ist.

 

Dustin Metz
Projektassistenz ZeitOrte 

 

Sie möchten auch mal an der Hüttenwerksbesichtigung der Salzgitter AG oder einer anderen Werksführung teilnehmen? Schauen Sie doch mal in unsere Angebotsbroschüre!

Tipp: Die Hüttenwerksbesichtigung können Sie hier auch direkt online buchen.

 

Weitere Informationen und Prospektmaterial erhalten Sie direkt bei uns:

TourismusRegion BraunschweigerLAND e.V.
Frankfurter Straße 284
38122 Braunschweig

0531 1218-200 oder per Mail!

 

 

%d Bloggern gefällt das: