Winterschlaf? Fehlanzeige! Im Otterzentrum Hankensbüttel laufen die Vorbereitungen für den Saisonstart

Wladimir und Vitali sind noch etwas scheu, aber äußerst aufmerksam. Und sie lernen schnell. Erst vor kurzem haben die beiden jungen Fischotter den Otterbach bezogen. Wenn im Otterzentrum in Hankensbüttel am 1. Februar die Saison 2019 beginnt, werden sich die jungen Tiere schon eingewöhnt haben.

Bei meinem Besuch am Otterbach hält sich Vitali am liebsten in Deckung: Er entfernt sich nicht weit vom sicheren Nest. Wladimir holt sich hingegen die größten Fischstücke, verspeist sie aber in angemessenem Abstand zu Tierpfleger Patrick Kautsky. Beiden Fischottern entgehen die leisen Geräusche, die meine Kamera von sich gibt, nicht. Und schließlich siegt auch bei den Jungtieren die Neugier. Nachdem sie festgestellt haben, dass von mir und dem schwarzen Ding in meiner Hand keine Gefahr ausgeht, posieren sie schon ein bisschen.

 

Wladimir und Vitali vor der Kamera:

Tierpfleger Patrick Kautsky lässt den beiden jungen Fischottern beim Füttern genügend Freiraum. Foto: Beate Ziehres

Tierpfleger Patrick Kautsky lässt den beiden jungen Fischottern beim Füttern genügend Freiraum. Foto: Beate Ziehres

Otter Vitali turnt vor dem Eingang zum Nest herum. Foto: Beate Ziehres

Vitali turnt am liebsten vor dem Eingang zum Nest herum. Foto: Beate Ziehres

Weil der Tierpfleger weit werfen kann, kommt auch Vitali beim Füttern nicht zu kurz. Foto: Beate Ziehres

Weil der Tierpfleger weit werfen kann, kommt auch Vitali beim Füttern nicht zu kurz. Foto: Beate Ziehres

Je größer der Fischbrocken, desto besser: Otter "Vitali" beim Fressen. Foto: Beate Ziehres

Je größer der Fischbrocken, desto besser. Foto: Beate Ziehres

 

Ein junger Otter im Wasser, der neugierig guckt. Foto: Beate Ziehres

Die jungen Fischotter sind schon ganz schön kamerabewusst. Foto: Beate Ziehres

Wladimir peilt erst mal die Lage, bevor er sich den Leckerbissen holt. Foto: Beate Ziehres

Wladimir peilt erst mal die Lage, bevor er sich den Leckerbissen holt. Foto: Beate Ziehres

 

„Fischotter sind das ganze Jahr über munter“, erzählt Patrick Kautsky. Er arbeitet seit mehr als sieben Jahren als Tierpfleger im Otterzentrum und ist nicht nur für die Otter, sondern auch für ihre Artverwandten zuständig. Trotzdem hat er bei den Fischottern jahreszeitlich bedingte Unterschiede festgestellt: „Ich finde, dass sie im Winter etwas hungriger sind als im Sommer“, sagt er und wirft Vitali noch ein Stückchen frischen Lachs zu.

Jedes Tier bekommt täglich eine Ration von einem Kilogramm Futter: Heute sind es Fischstückchen von Rotaugen und Rotfedern, daneben wie gesagt Lachs, Rinderleber, Blättermagen vom Rind und Hühnchen.

Nachwuchs aus eigener Zucht

Vitali und Wladimir wurden im Frühjahr 2017 im Otterzentrum geboren. Bisher haben sie in einem Bereich gelebt, der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. „Wir haben hier wohl die meiste Erfahrung, wenn es ums Züchten geht“, sagt Patrick Kautsky. Deshalb kommen Anfragen nach Jungtieren von Zoos, Tierparks und Wildparks. Zwei zuchtfähige Männchen und zwei erfahrene Muttertiere sorgen in unregelmäßigen Abständen für Nachwuchs im Otterzentrum. „Fischotter haben zwar das ganze Jahr über Paarungszeit. Aber wir richten es so ein, dass die Tierbabys im Frühling geboren werden, damit sie aus dem Gröbsten raus sind, wenn der Winter kommt“, berichtet der Tierpfleger.

Mittagsschlaf statt Winterschlaf

Viele der Tiere im Otterzentrum sind auch in der kalten Jahreszeit aktiv: Die drei Iltisse Daisy, Trick und Track beispielsweise, die ich nur nicht sehe, weil sie gerade ihren Mittagsschlaf halten. Oder die acht Frettchen, die gerade von Felien, die  Bundesfreiwilligendienst im Otterzentrum absolviert, Streicheleinheiten erhalten. Vom etwas strengen Geruch, den Schneewittchen und die sieben Zwerge absondern, lässt sich Felien nicht abschrecken. Besuchern, die nicht so oft ins Otterzentrum kommen, werden die acht munteren Frettchen vielleicht auch neu sein. Die Gruppe wohnt erst seit dem vergangenen Sommer im Otterzentrum.

Auch im Nerz-Moor ist im Winter Bewegung, wenn auch verhalten. Die europäische Nerz-Dame Mimi steckt vorsichtig das winzige Näschen aus ihrem Versteck, observiert die Umgebung einige Minuten und huscht dann blitzschnell ins Grün am Wasserlauf. Dann ward sie nicht mehr gesehen. Genauso wie ihre fünf Verwandten aus Amerika, die nebenan wohnen und sich hervorragend versteckt haben. „Eigentlich sind sie sehr lustig“, sagt Eva Baumgärtner, Assistentin des Vorstandes des Aktion Fischotterschutz e. V., die mich durch das Otterzentrum führt. Gut zu wissen. Ich bin echt überrascht, wie klein Mimi ist. Die amerikanischen Nerze sollen allerdings etwas größer sein.

Tierpflegerinnen besuchen Nerz "Mimi" im Nerzmoor. Foto: Beate Ziehres

Besuch bei Mimi im Nerzmoor. Foto: Beate Ziehres

Hiweistafel am Nerz-Moor im Otter-Zentrum. Foto: Beate Ziehres

Etwas über Nerze gelernt. Foto: Beate Ziehres

Nerz-Dame Mimi schaut aus ihrem Unterstand im Gehege. Foto: Beate Ziehres

Nerz-Dame Mimi peilt vorsichtig die Lage. Foto: Beate Ziehres

 

Auch die Hermelin-Heide lohnt im Winter einen Besuch. Vielleicht hat man Glück und entdeckt eines der ebenfalls winzigen Tiere. Hermeline tragen jetzt ihr charakteristisches weißes Winterfell mit schwarzer Schwanzspitze.

Der Dachshöhle statten wir ebenfalls einen Besuch ab. Da liegt er in seinem kuscheligen Nest und bewegt sich nur ab und zu ganz leicht. Der Dachs ist der einzige Bewohner des Otterzentrums, der Winterruhe hält.

Das Leben tobt am Otterteich

Die Otter-Damen, denen ich zum Schluss begegne, sind dafür umso aktiver. Sie heißen Anna, Lulu, Luzia und Shari und wohnen am Otterteich. Die lebhaften sechsjährigen Fischotter-Weibchen lassen sich von meiner Anwesenheit nicht beeindrucken. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass sie vor der Kamera zu Höchstform auflaufen. Sie machen Männchen vor Patrick Kautsky, auf dass er endlich etwas zu Fressen rausrückt, planschen, spritzen mit Wasser und schauen frech ins Objektiv.

Ein Tierpfleger füttert drei otter-Damen mit Fisch. Foto: Beate Ziehres

Die Otter-Damen wollen nur das Eine: Fisch! Foto: Beate Ziehres

Ein Otter wartet bei der Fütterung im Teich auf einen Fischhappen. Foto: Beate Ziehr

Warten auf einen Fischhappen. Foto: Beate Ziehres

 

 

 

 

 

 

 

Auch Eine Otter-Dame macht Männchen. Foto: Beate Ziehres

Auch Weibchen können Männchen machen. Foto: Beate Ziehres

„Die Tiere sind futterzahm, das bedeutet, dass Pfleger reingehen, füttern und dabei auch erzählen können“, sagt Patrick Kautsky. „Die Weibchen am Otterteich reagieren auch, wenn sie von den Leuten beispielsweise während der Fütterung angesprochen werden. Marder merken sofort, um was es geht.“ Aha! Fischotter zählen also zu den Mardern, genauso wie Dachse, Iltisse, Nerze, Stein- und Baummarder.

Schwupp, schon habe ich wieder etwas gelernt. Und so soll es auch sein. Schließlich ist das Otterzentrum als einer von 100 zeitORTEn ein Naturerlebniszentrum. Ins Leben gerufen wurde das Otterzentrum vom Verein Aktion Fischotterschutz. Zentrales Anliegen des Vereins war und ist es, den Fischotter vor dem Aussterben zu retten. Dazu werden Biotope entwickelt, die Lebensweise der Tiere erforscht und die Menschen für die Tiere und ihre Lebensräume sensibilisiert. Letzteres gelingt im Otterzentrum ganz nebenbei und so fahre ich um einige Erkenntnisse bereichert nach Hause.

 

Informationen

OTTER-ZENTRUM Hankensbüttel

Sudendorfallee 1, 29386 Hankensbüttel

Tel.: 05832 9808-0

Öffnungszeiten:

1. Februar bis 30. März *  9:30 – 17:00 Uhr
 31. März bis 26. Oktober  9:30 – 18:00 Uhr
 27. Oktober bis 30. November *  9:30 – 17:00 Uhr

* Vom 1. Februar bis 30. März und vom 27. Oktober bis 30. November schließen das OTTER-ZENTRUM und das Restaurant wetterab­hän­gig gegebenenfalls früher.

 

Tipp: Das Otter-Zentrum ist zertifiziert nach den Kriterien KinderFerienLand Niedersachsen und besonders für Familien mit Kindern geeignet.

Weitere Ausflugstipps in der Südheide Gifhorn? Im Sommer 2018 waren wir auf Botschafter-Tour. Den Bericht gibt es hier.