10 Jahre Weihnachtskulturwoche im Braunschweiger Dom – und wie es dazu gekommen ist

„It’s Christmas time“, singt eine mir unbekannte Interpretin, während sich das Kinderkarussell neben dem Dom in Bewegung setzt. Das war nicht immer so. Mit Erfolg haben die Verantwortlichen der Dom-Gemeinde St. Blasii und des Braunschweiger Stadtmarketings für eine ruhigere Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt gekämpft. Mit Orgel, Trompete und den Stimmen aus vielen Kehlen gelang es Witold Dulski und Gerd-Peter Münden, einen kulturell anspruchsvollen Gegenpol zu Lambada und Neonlicht rund um den Dom zu schaffen. Vor zehn Jahren initiierten Domkantor Münden und Kantor Dulski die Weihnachtskulturwoche.

Adventszeit im Braunschweiger Dom St. Blasii mit der Weihnachtskulturwoche. Foto: Beate Ziehres

Adventszeit im Braunschweiger Dom St. Blasii mit der Weihnachtskulturwoche. Foto: Beate Ziehtes

„Dieses Gedudele aus Lautsprechern und Drehorgeln hat mich geärgert“, erinnert sich Witold Dulski, als wir uns über den Dächern der Budenstadt treffen. Ob Fasching, Schützenfest oder Weihnachtsmarkt – die musikalische Umrahmung und die Optik der Stände seien immer die Gleiche gewesen. „Deshalb haben wir uns vorgenommen, etwas Festliches auf die Beine zu stellen“, so Dulski.

Gesagt, getan. Witold Dulski gewann einen Trompeter des Staatsorchesters für das Vorhaben und stellte ein Programm für die erste Weihnachtskulturwoche auf. „Wir haben von Montag bis Freitag täglich ein Konzert angeboten. Das war dann doch ein bisschen viel“, schmunzelt Dulski heute über die Anfänge.

 

Kultkonzerte Quempas-Singen

Dennoch hat sich die Idee über die Jahre hinweg entwickelt. Heute haben die meisten Veranstaltungen Kultstatus. Beispielsweise das Quempas-Singen der Domsingschule. „Für viele Braunschweiger Familien ist Weihnachten ohne das Quempas-Singen undenkbar“ sagt Dompredigerin Cornelia Götz und fügt hinzu, dass der Dom bei diesem Anlass oft wegen Überfüllung geschlossen werden muss.

Dompredigerin Cornelia Götz und Kantor Witold Dulski mit dem Programm der Weihnachtskulutrwoche 2018. Foto: Beate Ziehres

Dompredigerin Cornelia Götz und Kantor Witold Dulski mit dem Programm der Weihnachtskulturwoche 2018. Foto: Beate Ziehres

Kein Wunder, denn das Quempas-Singen ist eine gänsehautverdächtige Traditionsveranstaltung. Die jungen Sänger ziehen mit Kerzen in den dunklen Dom ein, verteilen sich in den vier Ecken des Domes und stimmen einen Rundgesang an, der langsam lauter wird. Traditionelle Quempas-Lieder sind rund 500 Jahre alt und loben die Ankunft von Gottes Sohn.

Auch Bachs Weihnachtsoratorium ist ein Klassiker, der sich seit zehn Jahren ungebrochener Beliebtheit beim Publikum erfreut. Es gibt eine Aufführung speziell für Kinder und am 3. Adventssonntag können Bach-Liebhaber das komplette Weihnachtsoratorium in zwei Teilen genießen – mit einer großen Pause zum Aufwärmen und Stärken vor den Türen des Doms.

Vor den Türen des Doms: Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Foto: Beate Ziehres

Vor den Türen des Doms: Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Foto: Beate Ziehres

Zusätzliche Besucher für den Weihnachtsmarkt

„Wir leben jetzt in Symbiose mit dem Weihnachtsmarkt. Es hat sich eine Win-win-Situation für beide Seiten ergeben“, sagt Cornelia Götz und verweist auf rund 1500 Besucher, die alleine durch ein Quempas-Singen auf den Weihnachtsmarkt kommen. Vor der Veranstaltung Schmalzkuchen, danach Punsch – so sieht der traditionelle „Speiseplan“ vieler Familien an den Nachmittagen des Quempas-Singens aus.

Kantor Witold Dulski hat das Ziel, mit der Weihnachtskulturwoche anspruchsvolle Angebote zu bündeln und den Weihnachtsmarkt aufzuwerten, erreicht. Mithilfe einer starken Partnerin: Heike Prieß vom Braunschweiger Stadtmarketing, dem Veranstalter des Weihnachtsmarkts, hat das Vorhaben zur gemeinsamen Sache erklärt.

Qualitätsfaktor Weihnachtskulturwoche

Die Weihnachtsfrau, wie Heike Prieß manchmal liebevoll genannt wird, war bis zu diesem Sommer verantwortlich für Planung und Qualitätsmanagement des Weihnachtsmarkts. „Mit viel Liebe, Zähigkeit und Konsequenz hat sie unser gemeinsames Anliegen vorangetrieben“, sagt Cornelia Götz.

Die Weihnachtskulturwoche war gewissermaßen Teil einer Qualitätsinitiative. „Auf dem Weihnachtsmarkt soll es keine Konserven mehr geben, sondern nur handgemachte Musik. Und wir wollen noch nachhaltiger werden. Fast alle Stände haben inzwischen auf Mehrwegbecher umgestellt“, lobt die Dompredigerin das Engagement der Standbetreiber. Aber sie erwähnt auch, dass in Sachen Umweltschutz noch Luft nach oben sei.

Den Weg zu einer friedlicheren Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt, die sich bis ins Gotteshaus im Zentrum des Weihnachtsmarktes fortsetzt, hat die Kirchengemeinde alleine begonnen. Schnell sind jedoch starke Mitstreiter dazugekommen. Seit nunmehr acht Jahren engagiert sich auch die Tageszeitung. Die Rede ist von „Singt Weihnachten“.

"Singt Weihnachten!" - zum Weihnachtsmarkt schallen Weihnachtslieder aus dem Dom. Foto: Beate Ziehres

„Singt Weihnachten!“ – zum Weihnachtsmarkt schallen Weihnachtslieder aus dem Dom. Foto: Beate Ziehres

Aus voller Kehle Weihnachtslieder singen

Das Format wurde von Domkantor Gerd-Peter Münden ins Leben gerufen. Er wollte alle Menschen zum Singen bewegen, in diesem Fall zum Singen von Weihnachtsliedern. „Die Idee von Gerd-Peter Münden hat den Nerv der Leute getroffen. Sie wollen einfach aus voller Kehle Weihnachtslieder singen“, erklärt Cornelia Götz den Ansturm auf den Dom, wenn es heißt „Singt Weihnachten“.

Drei Termine im Dom stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Doch das Beispiel hat Schule gemacht. Als Witold Dulski mir die druckfrische Lieder-Zeitung aushändigt, zähle ich kurz durch: Neun weitere Kirchengemeinden in der Region veranstalten Liederfeste nach dem Vorbild des Doms. Die Braunschweiger Zeitung liefert dazu zwölf Liedertexte samt Noten in gedruckter Form – für Textsicherheit beim gemeinsamen Singen. Ausgesucht wurden die Lieder übrigens von den Lesern der Zeitung.

Mit einem weihnachtlichen Singen – nach Abschluss der Weihnachtskulturwoche – endet auch der Weihnachtsmarkt. Weil’s so schön ist, wie mir Witold Dulski erklärt. Mein Terminkalender ist nach dem Besuch in der Dom-Gemeinde jetzt auf jeden Fall um ein paar Punkte reicher.


Der Braunschweiger Dom St. Blasii wurde im 12. Jahrhundert durch Heinrich den Löwen erbaut und ist in seinen Grundzügen bis heute erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Gotteshaus von der Herzoglichen Hofkirche zur Alltagskirche in der Stadtmitte gewandelt. Der Dom ist einer von 100 zeitORTEN in der Region Braunschweig-Wolfsburg.

Budenzauber vor historischer Kulisse. Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist noch bis 29. Dezember geöffnet. Foto: Beate Ziehres

Budenzauber vor historischer Kulisse. Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist noch bis 29. Dezember geöffnet. Foto: Beate Ziehres

Weitere Informationen zum Braunschweiger Weihnachtsmarkt und zu allen weiteren Adventsmärkten und winterlichen Veranstaltungen gibt es auf www.Winter-vor-der-Haustür.de